Studierendeninterviews

Mareike Kiss als ehemalige Bachelorstudentin Berufliche Bildung an der Universität Bremen und nun im aufbauenden Master für Berufsschullehramt mit den Fächern Metalltechnik und Englisch stellt sich den Fragen darüber, wie sie den Start an der Universtiät Bremen erlebt hat.

StugA: Mareike, wieso hast du dich dazu entschlossen, Berufliche Bildung an der Universität Bremen zu studieren?

MK: Nach dem aus meiner Sicht mittelmäßigen Abitur mit den Leistungskursen Mathematik und Physik habe ich mir zunächst kein Studium zugetraut. Stattdessen habe ich eine Ausbildung zur Schiffsmechanikerin gemacht, wodurch ich zur See gefahren bin und die Welt erkunden durfte. Das erschien mir zunächst viel spannender. Am Ende der Ausbildung war mir dann aber klar, dass ich nicht ständig Lust hatte, die Männer an Bord von meinen fachlichen Kompetenzen immer wieder von neuen überzeugen zu müssen. Ich wollte einen Job haben, in dem das Geschlecht keine und Technik eine Rolle spielen.

In der Berufsschule ist mir dann mein Wunsch aus der Grundschulzeit bewusst geworden: Damals wollte ich eine bessere Lehrerin werden als meine damalige Klassenlehrerin. Denn auch in der Berufsschule hatte ich mit ähnlichen Exemplaren hinsichtlich der unzureichenden Lehrkompetenzen zu tun, die mich als Auszubildende im Lernen demotivierten. Also habe ich mir gedacht, Berufsschullehrerin für Metalltechnik, das ist das, was alle meine Anforderungen erfüllt. Und wer zu See gefahren ist, schafft auch ein Studium mit ingenieurswissenschaftlichen Anteilen.

Für die Universität Bremen habe ich mich dann aus familiären Gründen entschieden, da mein Mann schon eine Zusage für ein Studiumsplatz an der Hochschule Bremen erhalten hatte.

StugA: Wie war es dann an der Universität in Bremen anzufangen?

MK: Zunächst war es ein Sprung ins kalte Wasser. Zu Beginn meines Studiums war gerade der Studiengang neu strukturiert und umbenannt worden, wodurch es keine Vorgänger gab, die man um Rat fragen konnte. Zusätzlich gab es zu dem Zeitpunkt keine aktive Studierendenvertretung, die einen unterstützen konnte. Dafür haben einen die Professoren und Dozenten bei Fragen unterstützt, da einige Lehrveranstaltungen im kleinen Rahmen nur mit Berufsschulstudierenden stattfinden. Zu dem Zeitpunkt hatten wir Studierenden den Wunsch, ein StugA neu zu gründen, was wir im darauffolgenden Semester auch getan haben, damit unsere Nachfolger nicht die gleichen Hürden zu meistern hatten.

StugA: Aber neben den Lehrveranstaltung im kleinen Rahmen, wo die Berufsschulstudierenden unter sich sind, gibt es auch die so genannten Import-Lehrveranstaltungen wie „Technische Mechanik“ oder „Elektrotechnik für Wirtschaftsingenieure“, die man zusammen mit den Produktionstechnikern, Wirtschaftsingenieuren und Mechatronikern besuchen muss. Wie war das für dich am Anfang?

MK: Überwältigend. So viele junge Menschen in einem Raum und alle verhalten sich (meistens) ruhig, um der Vorlesung zu folgen. Da fühlt man sich gleich schlauer. Und die ersten Veranstaltungen sind auch noch nicht so inhaltsreich, sodass man langsam rein kommt. Aber spätestens im November zieht dann das Tempo ziemlich an und man hat einiges zu tun, um mit dem Stoff mit zu kommen. Da war ich ganz froh, eine Lerngruppe mit zwei weiteren Studierenden gefunden zu haben, wo wir gemeinsam die Übungsbogen durch gegangen sind. Die waren auch nicht so genannte BerBils, wodurch ich einen erweiterten Blick auf das ingenieurswissenschaftliche Studium in Bremen bekommen habe.

StugA: Womit hattest du am Anfang Probleme?

MK: Es fiel mir echt schwer, eineinhalb Stunden ruhig da zu sitzen und die ganze Zeit was aufzunehmen. Das fällt mir jetzt immer noch schwer. Aber es ist auch nicht alles im Detail für die Klausur wichtig. Aber es braucht ein bisschen, bis man raus hat, wie man den wichtigen Inhalt vom unwichtigen unterscheidet. Ich bin ganz froh, dass Technische Mechanik unbenotet war. Andere Noten kann man meistens einfach mit denen aus den berufswissenschaftlichen Veranstaltungen ausgleichen. Da sollte man nicht zu streng mit sich sein.

Und ich hätte gedacht, dass man sich mehr mit dem tatsächlichen Unterrichten und was dafür wichtig ist, befasst. Selbst jetzt im Master ist der Schwerpunkt leider nicht darauf gelegt.

StugA: Würdest du dich wieder für ein Studium Berufliche Bildung entscheiden?

MK: Auf jeden Fall. Die Mischung macht’s. Man hat eben nicht nur ein reines Ingenieursstudium sondern auch Berufspädagogik und Berufsfachliches. So schaut man immer mit dem Blick auf die Inhalte, wie man sie am besten unterrichten könnte. Dabei kann man allerdings ein bisschen frustriert werden, da Lehrpersonen an der Uni auch wenn sie Fachdidaktik unterrichten nicht die besten Lehrveranstaltung abhalten.

Zusätzlich ist es ganz gut, dass man den ganzen Bachelor über Zeit hat, sich über das Zweitfach Gedanken zu machen. So konnte ich das notwendige C1-Zertifikat rechtzeitig machen, um Englisch studieren zu dürfen. Auch das kann ich als Zweitfach nur empfehlen.

StugA: Vielen Dank für das Gespräch.